Das Werk verdichtet Thomas Manns berühmten
1000-Seiten-Text, den ironisch-weitschweifigen Bildungsroman DER ZAUBERBERG (1924)
zu einem 2x7-Klangbild-Szenario für 9 Sänger, Chor, Ballett und grosses Orchester.
Bei aller Freiheit in der sprachlichen und dramatischen
Gestaltung bleibt das Libretto jederzeit dem Geist und oft gar dem Buchstaben der Vorlage
treu. Auf der Bühne wird das Berghof-Sanatorium Davos zur gleichnishaften Nische, die
ihre kranken Protagonisten in heikler Distanz zu denen unten im Flachland
hält und sie zwischen Lebenssehnsucht und Todesfaszination hin und her bewegt.
Nicht anders als wie im Roman gerät ein einfacher, junger
Mensch, Hans Castorp, der eigentlich nur auf drei Wochen seinen tuberkulösen
Vetter Joachim Ziemssen im Hochgebirge besuchen will, für sieben Jahre in den
fatalen Bann einer Ausnahmesituation; als deren pädagogische Repräsentanten der zynische
Mediziner Hofrat Behrens, der Fanatiker Naphta neben der kirgisischen
Venus Madame Chauchat und dem vollmundig-verzweifelten Vitalisten Mynheer
Peeperkorn vor einer ziemlich ordinären Personal-Staffage agieren.
ALLE SIND KRANK - ABER KRANKHEIT STIMMT FESTLICH
Die Auseinandersetzung mit dem geistigen und
gesellschaftlichen Formverfall als virulentestem Problem des Romans, dominiert
uneingeschränkt die Dramaturgie dieser zweiaktigen Oper, die, quasi wie ein
impressionistisches Stenogramm, mit ihren sprachlichen Verkürzungen und musikalischen
Pointen dem Zerfliessen des morbiden Zeitgemäldes entgegenwirken möchte. Die strenge
Symmetrie beider Akte trägt dazu bei: Die sieben Prosa-Jahre des Romans werden in der
Partitur in 2x7 Bilder kontrastreicher (Fieber-) Kurven übersetzt, im ersten Akt in einer
fastnächtlichen Walpurgisnacht auf dem Zauberberg endend. Im nachfolgenden Akt
kulminieren die Ereignisse in einem Donnerschlag, als die Einberufung in den Krieg den
Helden Hans aus seiner Höhe zurück ins Leben abberuft.
SYNOPSIS "Zauberberg"
1.AKT
1. VORSPIEL, Flüsterkanon.
Nach der Ankunft Castorps in Davos steigt sein Vetter Ziemssen mit ihm zum
Sanatorium hinauf, und in beiläufigen Gesprächen wird das makabre Fluidum des
Zauberbergs präsent. Trotz gelinden Erschreckens geht Castorp lachend durch die Drehtür
des Sanatoriums in sein Schicksal hinein.
2. TAFELMUSIK, Gesellschaftsensemble.
Lärmiges Frühstückstreiben im Speisesaal. Ziemssen stellt Castorp einigen seiner
Mitpatienten vor, die dessen Absicht, als Gesunder hier nur kurz und besuchsweise zu
bleiben, skeptisch kommentieren.
3. KLEINER TOTENTANZ. Im Ordinationszimmer.
Castorp wird ein feuchter Fleck in seiner Lunge bescheinigt. Hofrat Behrens und Dr.
Krokowski, der Psychoanalitiker, zerspassen und verklären die Situation.
4. KURMUSIK, Chorintermezzi. Auf der Promenade.
Einzeln und in Gruppen steht man herum oder flaniert und treibt seine Spässe.
Castorp erhält seine erste Belehrung durch Settembrini, der am Ende aber auch nicht mit
Vernunft gegen Madame Chauchats erotische Ausstrahlung ankommt.
5. FIEBERMONOLOG CASTORPS, Traumduett Castorp-Chauchat.
Liegekur in verschiedenen Ebenen. Weder Ziemssen noch Settembrini oder Behrens
halten Castorp von seiner verliebten Schwärmerei zurück, von derem Höhepunkt - die
brennende Zigarre im Munde und die zum Fiebermessen erschienene Oberschwester Mylendonck
tanzend im Arm - er durch einen jähen Hustenanfall herausgerissen wird.
6. SPIRITISTISCHES DIVERTIMENTO
Dr. Krokowski produziert sich mit Marusja, seinem Medium in Trance, vor dem
geschwätzigen Berghof-Publikum, als nicht weniger geschwätziger Okkultist, der den
nächsten Todeskandidaten mit einem flatternden Seidentuch orakelnd evaluiert. Während
Castorps und Madame Chauchats Hände sich erstmals im Halbdunkel finden, wächst
Settembrinis Zorn auf den Spuk. Marusja wankt bereits auf Ziemssen zu, der die Séance
über den Lichtschalter spontan unterbricht.
7. CHORISCHES, ARIOSI, SCHWEINSGALOPP UND LIEBESDUETT.
Berghof-Fastnacht, die sich als stetiges Crescendo aus anspielungsreichem Geplauder
und Blödeleien entwickelt, das Behrens als punschausschenkender Polyphem anheizt, doch
Settembrini nicht vor ordinärer Ausschweifung bewahren kann. In Zwiegesprächen über
Leib, Liebe, Tod und Freiheit separieren sich einzig Castorp und Madame Chauchat vom
Getümmel, zunächst in stille Ecken der Gesellschaftsräume, später dann in Madames
Zimmer.
2.AKT
1. CONCERTO GIOCOSO. Hotelfoyer zwei Jahre später.
In einem quirligen Quartett resumieren die Damen Stöhr, Hermine, Engelhardt und
Levy über das, was inzwischen geschah. Während Settembrini und Naphta sich
vor Castorp als unversöhnliche Gegner exponieren, wird diesem ein Telegramm mit der
Nachricht über die bevorstehende Rückkehr seines neuerdings sehr schwer erkrankten
Vetters Ziemssen mitgeteilt.
2. MADRIGAL-PARODIE, REZITATIV, BALLETT. Castorps
leichtsinniger Ausflug in den Schnee.
Chorgruppen kommentieren die pantomimische Beinah-Katastrophe. Die heimliche
Botschaft der Oper: Um der Liebe willen dem Tod keine Macht", endet mit einem
Pas de trois.
3. SCALA COELESTIS (phrygische Tonleiter) und QUODLIBET.
Hoteltreppe und Sterbezimmer. Ziemssens Rückkehr aus dem Flachland und sein Tod.
4. SCHATTENSPRÜNGE EINES FAUNS. Mit Pauken und Trompeten.
Madame Chauchat kehrt in Begleitung von Mynheer Peeperkorn auf den Zauberberg
zurück. Peeperkorn, der Vitalist, lässt grosse Sprüche ab. Castrob findet darin
vermeintlichen Halt: Statt der Theoreme ist Persönlichkeit angesagt, die den eigenen
Schatten leichthin überspringt.
5. LIEGEKUR-INTERMEZZO, Wiedersehen und Abschied.
Castorp dokumentiert Madame Chauchat den Aufschwung seines Selbstbewusstseins: Er
gibt ihr ihre Röntgen-Thoraxaufnahme zurück.
6. PSEUDO-PASTORALE, NATURCHORAL. Picknick im Freien.
Peeperkorn springt, vor den Naturgewalten kapitulierend, statt über seinen
Schatten von der Brücke über den Wasserfall in die Tiefe, worauf sich Settembrini und
Naphta würdelos um ihren Zögling Castorp balgen. Pantomine des Ensembles und
dialogisches Resumee von Castorp und Hermine.
7. LUDUS STABILIS. STEHKLÄNGE/ARPEGGIOS. Duell der Erzieher,
Naphtas Freitod.
Mit einem Donnerschlag fordert der Krieg unten im Flachland seinen Mann. Castorp
verlässt den Zauberberg - ein Hingang ins Leben, als Pantomime dargestellt..
Autorenportraits
"Zauberberg"
ROBERT GROSSMANN
30.12.1953, Doppelbürger CH/USA, in San Diego, Cal. Aufgewachsen.
Lebt heute in Paspels (GR) Schweiz.
Adresse: CH-7417
Paspels, Tel +41 081 655 1949
rgrossmann@bluewin.ch
1970-71 University of California, San Diego;
mit Unterricht u.a. bei Pauline Oliveros
1972-73 Studium der französischen Sprache und Kultur in Lausanne
1973-77 California State University at Northridge, Diplomabschluss (Bachelor of Music)
Kompositionsstudien mit Daniel Kessner und Frank Campo.
Gitarren- und Lautenunterricht bei Ronald Purcell.
Meisterkurse bei Andres Segovia.
Spieltätigkeit u.a. bei Aufführungen des Komponisten Ernst Krenek
Pädagogische Ausbildung und Lehrtätigkeit an einer Sekundarschule
1977-80 San Francisco Conservatory of Music, mit Unterricht u.a. bei John Adams.
Diplomabschluss (Master of Music).
Assistent mit Lehrtätigkeit im Fach Musikgeschichte.
1980-83 Indiana University, Bloomington, Doktoratsabschluss (cum laude)
Unterricht u.a. bei Thomas Binkley, Hans Tischler und George Buelow.
Abschluss der Dissertation:
"The Lute Suite in g-minor BWV 995 by J.S.Bach: A Comparison of the Autograph Manuscript and the Lute Intabulation in Leipzig,
Sammlung Becker, Ms III.ii.3"
1983-84 Gast an der Schola Cantorum Basiliensis,
Lautenunterricht bei Hopkinson Smith und Aufführungspraxis bei Wulf Arlt
Veröffentlichungen u.a.:
- Basler Jahrbuch für historische Musikpraxis "Der Intavolator
als Interpret" 1986
- Musikreihe "Alte Musik im Engadin" Band I: Die Samedaner
Lautenhandschrift von 1536, Die Wiezel-Handschrift für Tasteninstrumente von 1616; Band
II: Die von Planta-Gitarrenhandschrift von 1804, Die von Salis-Handschrift für
Streichinstrumente von 1681.
- Werkkommentar zur CD "Schweizer Cembalomusik"
Jecklin, ZH 1992.
Musikaufnahmen:
William Lawes, Consort Music for the Harpe, Bass, Viol, Violin and Theorbo Focus
Records.
Passionsspiel von Carmina Burana Focus Records.
Musica veglia in Engiadina Privatverlag, Aufnahme DRS.
Kammermusik von Charles Granom Cantando Basel.
Kammeroper "Il President da Valdei" Jecklin ZH.
Kompositionen:
Sechs Lieder nach den "Sonetten an Orpheus" von Rainer Maria Rilke.
Zwei Madrigale nach romanischen Gedichten von Irma Klainguti.
Capriccio für Klavier.
Kammeroper "Il President da Valdei" mit Uraufführung in Scuol.
Oper "Zauberberg" nach dem Roman von Thomas Mann.
Oper "Les maîtres du temps" in Bearbeitung.
Musik zu " LIral", Freilichtspiel in Scuol.
Lehrtätigkeit für Gitarre:
Musikschule Oberengadin, Musikschule Uster, Jugendmusikschule Zürcher Oberland, seit 1993
Musikschule Chur und Bündner Frauenschule, Bündner Lehrerseminar
Sprachen:
Englisch, Deutsch, Französisch, Romanisch, Spanisch
Kontaktadresse:
Dr. Robert Grossmann
Canovastrasse
CH-7417 Paspels
+41 081 655 1949
rgrossmann@bluewin.ch