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ZAUBERBERG
Oper von Robert Grossmann, Libretto Rolf Gerlach.
Nach dem Roman ‘Der Zauberberg’ von Thomas Mann.

INHALT

Das Werk verdichtet Thomas Manns berühmten 1’000-Seiten-Text, den ironisch-weitschweifigen Bildungsroman DER ZAUBERBERG (1924) zu einem 2x7-Klangbild-Szenario für 9 Sänger, Chor, Ballett und grosses Orchester.

Bei aller Freiheit in der sprachlichen und dramatischen Gestaltung bleibt das Libretto jederzeit dem Geist und oft gar dem Buchstaben der Vorlage treu. Auf der Bühne wird das Berghof-Sanatorium Davos zur gleichnishaften Nische, die ihre kranken Protagonisten in heikler Distanz ‘zu denen unten im Flachland’ hält und sie zwischen Lebenssehnsucht und Todesfaszination hin und her bewegt.

Nicht anders als wie im Roman gerät ein einfacher, junger Mensch, Hans Castorp, der eigentlich nur auf drei Wochen seinen tuberkulösen Vetter Joachim Ziemssen im Hochgebirge besuchen will, für sieben Jahre in den fatalen Bann einer Ausnahmesituation; als deren pädagogische Repräsentanten der zynische Mediziner Hofrat Behrens, der Fanatiker Naphta neben der kirgisischen Venus Madame Chauchat und dem vollmundig-verzweifelten Vitalisten Mynheer Peeperkorn vor einer ziemlich ordinären Personal-Staffage agieren.

ALLE SIND KRANK - ABER KRANKHEIT STIMMT FESTLICH

Die Auseinandersetzung mit dem geistigen und gesellschaftlichen Formverfall als virulentestem Problem des Romans, dominiert uneingeschränkt die Dramaturgie dieser zweiaktigen Oper, die, quasi wie ein impressionistisches Stenogramm, mit ihren sprachlichen Verkürzungen und musikalischen Pointen dem Zerfliessen des morbiden Zeitgemäldes entgegenwirken möchte. Die strenge Symmetrie beider Akte trägt dazu bei: Die sieben Prosa-Jahre des Romans werden in der Partitur in 2x7 Bilder kontrastreicher (Fieber-) Kurven übersetzt, im ersten Akt in einer fastnächtlichen Walpurgisnacht auf dem Zauberberg endend. Im nachfolgenden Akt kulminieren die Ereignisse in einem Donnerschlag, als die Einberufung in den Krieg den Helden Hans aus seiner Höhe zurück ins Leben abberuft.

SYNOPSIS "Zauberberg"

1.AKT

1. VORSPIEL, Flüsterkanon.
Nach der Ankunft Castorps in Davos steigt sein Vetter Ziemssen mit ihm zum Sanatorium hinauf, und in beiläufigen Gesprächen wird das makabre Fluidum des Zauberbergs präsent. Trotz gelinden Erschreckens geht Castorp lachend durch die Drehtür des Sanatoriums in sein Schicksal hinein.

2. TAFELMUSIK, Gesellschaftsensemble.
Lärmiges Frühstückstreiben im Speisesaal. Ziemssen stellt Castorp einigen seiner Mitpatienten vor, die dessen Absicht, als Gesunder hier nur kurz und besuchsweise zu bleiben, skeptisch kommentieren.

3. KLEINER TOTENTANZ. Im Ordinationszimmer.
Castorp wird ein feuchter Fleck in seiner Lunge bescheinigt. Hofrat Behrens und Dr. Krokowski, der Psychoanalitiker, zerspassen und verklären die Situation.

4. KURMUSIK, Chorintermezzi. Auf der Promenade.
Einzeln und in Gruppen steht man herum oder flaniert und treibt seine Spässe. Castorp erhält seine erste Belehrung durch Settembrini, der am Ende aber auch nicht mit Vernunft gegen Madame Chauchats erotische Ausstrahlung ankommt.

5. FIEBERMONOLOG CASTORPS, Traumduett Castorp-Chauchat.
Liegekur in verschiedenen Ebenen. Weder Ziemssen noch Settembrini oder Behrens halten Castorp von seiner verliebten Schwärmerei zurück, von derem Höhepunkt - die brennende Zigarre im Munde und die zum Fiebermessen erschienene Oberschwester Mylendonck tanzend im Arm - er durch einen jähen Hustenanfall herausgerissen wird.

6. SPIRITISTISCHES DIVERTIMENTO
Dr. Krokowski produziert sich mit Marusja, seinem Medium in Trance, vor dem geschwätzigen Berghof-Publikum, als nicht weniger geschwätziger Okkultist, der den nächsten Todeskandidaten mit einem flatternden Seidentuch orakelnd evaluiert. Während Castorps und Madame Chauchats Hände sich erstmals im Halbdunkel finden, wächst Settembrinis Zorn auf den Spuk. Marusja wankt bereits auf Ziemssen zu, der die Séance über den Lichtschalter spontan unterbricht.

7. CHORISCHES, ARIOSI, SCHWEINSGALOPP UND LIEBESDUETT.
Berghof-Fastnacht, die sich als stetiges Crescendo aus anspielungsreichem Geplauder und Blödeleien entwickelt, das Behrens als punschausschenkender Polyphem anheizt, doch Settembrini nicht vor ordinärer Ausschweifung bewahren kann. In Zwiegesprächen über Leib, Liebe, Tod und Freiheit separieren sich einzig Castorp und Madame Chauchat vom Getümmel, zunächst in stille Ecken der Gesellschaftsräume, später dann in Madames Zimmer.

2.AKT

1. CONCERTO GIOCOSO. Hotelfoyer zwei Jahre später.
In einem quirligen Quartett resumieren die Damen Stöhr, Hermine, Engelhardt und Levy über das, was inzwischen geschah. Während Settembrini und Naphta sich vor Castorp als unversöhnliche Gegner exponieren, wird diesem ein Telegramm mit der Nachricht über die bevorstehende Rückkehr seines neuerdings sehr schwer erkrankten Vetters Ziemssen mitgeteilt.

2. MADRIGAL-PARODIE, REZITATIV, BALLETT. Castorps leichtsinniger Ausflug in den Schnee.
Chorgruppen kommentieren die pantomimische Beinah-Katastrophe. Die heimliche Botschaft der Oper: ‘Um der Liebe willen dem Tod keine Macht", endet mit einem Pas de trois.

3. SCALA COELESTIS (phrygische Tonleiter) und QUODLIBET.
Hoteltreppe und Sterbezimmer. Ziemssens Rückkehr aus dem Flachland und sein Tod.

4. SCHATTENSPRÜNGE EINES FAUNS. Mit Pauken und Trompeten.
Madame Chauchat kehrt in Begleitung von Mynheer Peeperkorn auf den Zauberberg zurück. Peeperkorn, der Vitalist, lässt grosse Sprüche ab. Castrob findet darin vermeintlichen Halt: Statt der Theoreme ist Persönlichkeit angesagt, die den eigenen Schatten leichthin überspringt.

5. LIEGEKUR-INTERMEZZO, Wiedersehen und Abschied.
Castorp dokumentiert Madame Chauchat den Aufschwung seines Selbstbewusstseins: Er gibt ihr ihre Röntgen-Thoraxaufnahme zurück.

6. PSEUDO-PASTORALE, NATURCHORAL. Picknick im Freien.
Peeperkorn springt, vor den Naturgewalten kapitulierend, statt über seinen Schatten von der Brücke über den Wasserfall in die Tiefe, worauf sich Settembrini und Naphta würdelos um ihren Zögling Castorp balgen. Pantomine des Ensembles und dialogisches Resumee von Castorp und Hermine.

7. LUDUS STABILIS. STEHKLÄNGE/ARPEGGIOS. Duell der Erzieher, Naphtas Freitod.
Mit einem Donnerschlag fordert der Krieg unten im Flachland seinen Mann. Castorp verlässt den Zauberberg - ein Hingang ins Leben, als Pantomime dargestellt..

Autorenportraits "Zauberberg"

ROBERT GROSSMANN
30.12.1953, Doppelbürger CH/USA, in San Diego, Cal. Aufgewachsen.

Lebt heute in Paspels (GR) Schweiz. 
Adresse: CH-7417 Paspels, Tel +41 081 655 1949 
 rgrossmann@bluewin.ch

1970-71 University of California, San Diego; mit Unterricht u.a. bei Pauline Oliveros
1972-73 Studium der französischen Sprache und Kultur in Lausanne
1973-77 California State University at Northridge, Diplomabschluss (Bachelor of Music)
Kompositionsstudien mit Daniel Kessner und Frank Campo.
Gitarren- und Lautenunterricht bei Ronald Purcell.
Meisterkurse bei Andres Segovia.
Spieltätigkeit u.a. bei Aufführungen des Komponisten Ernst Krenek
Pädagogische Ausbildung und Lehrtätigkeit an einer Sekundarschule
1977-80 San Francisco Conservatory of Music, mit Unterricht u.a. bei John Adams.
Diplomabschluss (Master of Music).
Assistent mit Lehrtätigkeit im Fach Musikgeschichte.
1980-83 Indiana University, Bloomington, Doktoratsabschluss (cum laude)
Unterricht u.a. bei Thomas Binkley, Hans Tischler und George Buelow.

Abschluss der Dissertation:
"The Lute Suite in g-minor BWV 995 by J.S.Bach: A Comparison of the Autograph Manuscript and the Lute Intabulation in Leipzig,
Sammlung Becker, Ms III.ii.3"
1983-84 Gast an der Schola Cantorum Basiliensis,
Lautenunterricht bei Hopkinson Smith und Aufführungspraxis bei Wulf Arlt

Veröffentlichungen u.a.:

- Basler Jahrbuch für historische Musikpraxis "Der Intavolator als Interpret" 1986

- Musikreihe "Alte Musik im Engadin" Band I: Die Samedaner Lautenhandschrift von 1536, Die Wiezel-Handschrift für Tasteninstrumente von 1616; Band II: Die von Planta-Gitarrenhandschrift von 1804, Die von Salis-Handschrift für Streichinstrumente von 1681.

- Werkkommentar zur CD "Schweizer Cembalomusik" Jecklin, ZH 1992.

Musikaufnahmen:
William Lawes, Consort Music for the Harpe, Bass, Viol, Violin and Theorbo Focus Records.
Passionsspiel von Carmina Burana Focus Records.
Musica veglia in Engiadina Privatverlag, Aufnahme DRS.
Kammermusik von Charles Granom Cantando Basel.
Kammeroper "Il President da Valdei" Jecklin ZH.

Kompositionen:
Sechs Lieder nach den "Sonetten an Orpheus" von Rainer Maria Rilke.
Zwei Madrigale nach romanischen Gedichten von Irma Klainguti.
Capriccio für Klavier.
Kammeroper "Il President da Valdei" mit Uraufführung in Scuol.
Oper "Zauberberg" nach dem Roman von Thomas Mann.
Oper "Les maîtres du temps" in Bearbeitung.
Musik zu " L’Iral", Freilichtspiel in Scuol.

Lehrtätigkeit für Gitarre:
Musikschule Oberengadin, Musikschule Uster, Jugendmusikschule Zürcher Oberland, seit 1993 Musikschule Chur und Bündner Frauenschule, Bündner Lehrerseminar

Sprachen:
Englisch, Deutsch, Französisch, Romanisch, Spanisch


Kontaktadresse:

Dr. Robert Grossmann
Canovastrasse
CH-7417 Paspels
+41 081 655 1949
rgrossmann@bluewin.ch

 

ROLF GERLACH
1935, geboren in Leipzig, Lebt heute in Zepernick bei Berlin. Adresse: Schillerstrasse 93, D-16341 Zepernick, ++49 (0)30 944 40 02

1954 Abitur in Leipzig
1954-59 Studium der Theologie in Rostock und Greifswald
1959-61 Arbeit an der Dissertation "Studien zur Gründungsgeschichte des Zisterzienserklosters Neuencamp". Beschäftigung mit Literaturtheorie und Kunstgeschichte
1962 Promotion an der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald
1961-65 Wissenschaftlicher Assistent im Institut für griechisch-römische Alterskunde bei der Akademie der Wissenschaften zu Berlin.
1965-68 Freiberufliche Tätigkeit als Lektor
1968-73 Studium der Musik an der Hanns-Eisler-Hochschule in Berlin (Gitarre, Klavier,Tonsatz).
1970-75 Lehrer für Musiktheorie an der Spezialschule der Hochschule in Berlin.
1976-78 Freiberufliche Tätigkeit als Schriftsteller.
1978-85 Mitarbeit in der Chefredaktion für Ernste Musik beim Fernsehen DDR als Autor, Redaktor und Moderator. Mehrfach mit Aufgaben zur Umsetzung von Opernstoffen auf den Bildschirm betraut, auch als Verfasser von Szenarien für Fernseh-Kammeropern (Luther, Schütz)
1985 Entlassung wegen weltanschaulicher Differenzen mit dem Chefredaktor.
1985-90 Schriftstellerische Tätigkeit, u.a. als Szenarist für das Dok-Film-Studio in Kleinmachnow.
1991-93 Beschäftigung als Orts-Chronist für die Heimatgemeinde Zepernick.
1994 Freischaffender Autor
Arbeiten: Der Bräutigam, Roman 1971
Eselsbrücke, Tagebuchroman 1984
Cello unter Trümmern, Erzählungsband 1988
Kleiner Zepernicker Totentanz, Lyrisches Requiem 1991
Ossis im Engadin, Reisereport 1993
Mieze predige Du, Biographie eines Brandenburgischen Pfarrers 1995
Der Mensch hat zwei Beine, Fernsehfilm über Kurt Tucholsky 1980
Etüden zu zweit, Libretto für szenische Kammermusik 1985
Ich grinse dazwischen, Dok-Film über Adolf Glassbrenner 1986
Wege zu neuen Premièren, Dok-Film über die Deutsche Staatsoper Berlin 1987
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