Wo liegen die Grenzen bei der Einsetzbarkeit digitaler Medien, wenn es
um die Vermittlung eines spezifischen Kunstwerkes, einer ganzen
Ausstellung, einer dauerhaft ausgestellten Sammlung, einer Ausstellungsführung
oder eines Künstlergespräches geht?
Wird sich der weltweite Transport von Kunstwerken irgendwann einmal erübrigen?
Was sind die Bedürfnisse und Anforderungen der digitalen Kunstwelt?
Wo liegen die spezifischen Unterschiede zwischen physisch präsenten und
virtuellen Museen?
Können es virtuelle Ausstellungsmöglichkeiten wie etwa die online übertragene
Einrichtung einer Ausstellung mit der Erfahrung des Museums und des
Kunstwerks selbst und in Echtzeit aufnehmen?
Werden sich die physisch vorhandenen Museen parallel zu ihrer
Virtualisierung im Netz eine eigene Identität schaffen?
Werden die virtuellen Museen Konkurrenz oder Ergänzung des realen
Ausstellungsbesuches werden?
Wird es im Bereich der Museen zu einer digitalen Revolution kommen?
Samstag | 13. Juni | Public/Private |
Institutionen: Zeit der Krise – Zeit der Chancen?
Iwona Blazwick, OBE, Direktorin, Whitechapel Gallery,
London
Christine Macel, Leitende Kuratorin, Musée National
d’Art Moderne, Centre Pompidou, Paris
Lars Nittve, Direktor, Moderna Museet, Stockholm
Nicolaus Schafhausen, Direktor, Witte de With,
Rotterdam
Adam D. Weinberg, Alice Pratt Brown Director, Whitney
Museum of American Art, New York
Moderator: Andras Szanto, Autor, Berater für Kunst-
und Wohltätigkeitsorganisationen,
New York
Wie trifft die Finanzkrise Institutionen in aller Welt?
Welche besonderen Konsequenzen und noch nicht bedachten Möglichkeiten
ergeben sich aus
der neuen Situation?
In welchem Maße passen sich die Institutionen auf ihrem Weg durch den
Abschwung mit ihren Strategien und Ressourcen an?
Kann die gegenwärtige Krise vielleicht neue Modelle und Arbeitsweisen
ausbilden, die letzten Endes den Museen und der bildenden Kunst zugute
kommen?
Das Stadtkino Basel bietet auch zur Art
40 Basel wieder ein vielfältiges Filmprogramm von
und über Künstlerinnen und Künstler. Das von dem Filmwissenschaftler Marc
Glöde kuratierte allabendliche Art Film-Programm präsentiert Filme von Künstlerinnen
und Künstlern wie Michel Auder, Pierre Bismuth, Chris Burden, Öyvind Fahlström,
Marine Hugonnier, Erik Schmidt und Jordan Wolfson und verteilt sich auf vier
unterschiedliche Themenabende: “New Landscapes”, “Rediscovery”,
“Bending Identities” und “Storylines”. Am Donnerstagabend wird This
Brunner,
der Zürcher Sammler und Kenner der internationalen Filmszene, den Film
“Picasso & Braque Go
to the Movies” (2008) von Arne Glimcher vorstellen. Im weiteren Verlauf des
Abends wird es ein Gespräch zwischen Arne Glimcher, dem Regisseur des Films,
und dem Philosophen und Kurator Stefan Zweifel geben.
Dienstag, 9. Juni, 22 Uhr New
Landscapes
Gesamtlaufzeit ca. 77 Minuten, kuratiert von Marc Glöde
Neuere Kurzfilme, die sich mit einem neuartigen Ansatz einem Thema mit
langer kunsthistorischer Tradition annähern: der Landschaft.
Rosa Barba, “Outwardly From Earth’s Center” 2007 / 22’ (carlier
gebauer)
Hans Schabus, “Echo” 2009 / 3’45’’ (Zero)
Jordan Wolfson, “Untitled False Document” 2008/5’ (Johann König)
Mathilde Rosier, “Lac” 2004 / 5’30’’ (Galerie Iris Kadel)
Paul Sietsema, “Untitled (Analyse d’une épave)” 2008 /
2’30’’ (Regen Projects)
Jun-Nguyen Hatsushiba, “The Ground, the Root, and the Air: The Passing
of the Bodhi Tree” 2007 /
ca. 18’ (Lehman Maupin)
Marine Hugonnier, “Ariana” 2003 / 18’36’’ (Max Wigram Gallery)
Mittwoch, 10. Juni, 22:00 Uhr Rediscovery
Gesamtlaufzeit ca. 70 Minuten, kuratiert von Marc Glöde
Wichtige künstlerische Positionen des experimentellen Films, die eine
Wiederentdeckung verdienen und jetzt erstmalig auf der Kinoleinwand
erlebt werden können.
Mark Thompson, “Immersion” (selected segments) 1974–1976 /
12’30’’ (Galerie Thomas Zander)
Robert Breer, “Recreation” 1956–1957 / 2’ (gb agency)
Robert Breer, “Fuji” 1974 / 10’ (gb agency)
Öyvind Fahlström, “Mao-Hope March” 1966 / 4’30’’ (Aurel
Scheibler)
Larry Sultan / Mike Mandel, “JPL” 1977 / 14’ (Galerie Thomas
Zander)
David Lamelas, “A Study of the Relationships Between Inner and Outer
Space” 1969 / 19’35’’
(Sprüth Magers)
Chris Burden, “The TV Commercials” 1973-1977 / 3’46’’ (Gagosian
Gallery, Electronic Arts Intermix)
Michel Auder, “1981 Reagan” 1981–1984/2009 / 4’30’’ (Aurel
Scheibler)
Michel Auder, “Confession” 1970/2009 / 3’45’’ (Aurel Scheibler)
Donnerstag, 11. Juni, 21:00 Uhr, kuratiert von This Brunner
Arne Glimcher, “Picasso & Braque Go to the Movies”
2008 / 60’ (arthouse films)
Dokumentarischer Film über die faszinierende Wirkung, die von der
Entstehung des frühen Kinos auf die Kunst von Pablo Picasso und Georges
Braque ausging. Dieser einstündige Film bietet einen Off-Kommentar von
Martin Scorsese und zeigt Gespräche mit Chuck Close, Eric Fischl, Adam
Gopnik, Robert Rauschenberg und Julian Schnabel.
Nach der Filmvorführung folgt ein Gespräch mit Arne Glimcher, dem
Regisseur des Films, und dem Philosophen und Kurator Stefan Zweifel.
Freitag, 12. Juni, 22:00 Uhr Bending Identities
Gesamtlaufzeit ca. 67 Minuten, kuratiert von Marc Glöde
Herausragende Werke der vergangenen Jahre, die sich subversiv mit
etablierten filmischen Strategien der Identitätsbildung hinsichtlich
Geschlecht und “Rasse” auseinandersetzen.
Das Programm wurde mithilfe der großzügigen Unterstützung und der
Mitarbeit von Electronic Arts Intermix ermöglicht.
Shana Moulton, “Whispering Pines” 1/2/3/8” 2002-2006 / approx.
22’
(Broadway 1602, Electronic Arts Intermix)
Ryan Trecartin, “(Tommy-Chat Just E-mailed Me)” 2006 / 7’15’’
(Elizabeth Dee, Electronic Arts Intermix)
Harry Dodge/Stanya Kahn, “Whacker” 2005 / 6'24’’ (Elizabeth Dee,
Electronic Arts Intermix)
Katharzyna Kozyra, “Cheerleader” 2006 / 4’30’’ (Zak Branicka
gallery)
Kalup Linzy, “Lollypop” 2006 / 3'24’’ (Taxter & Spengemann,
Electronic Arts Intermix)
Kalup Linzy, “'Chewing Gum' from SweetBerry Sonnet (Remixed)” 2008 /
2'21’’ (excerpt)
(Taxter & Spengemann, Electronic Arts Intermix)
Kalup Linzy, “Keys to Our Heart” 2008 / 24'06’’ (Taxter &
Spengemann, Electronic Arts Intermix)
Samstag, 13. Juni, 22:00 Uhr Storylines
Gesamtlaufzeit ca. 74 Minuten, kuratiert von Marc Glöde
Filmemacherische Positionen, die sich mit ihrer Infragestellung herkömmlicher
Erzählformen von der Abstraktion über das Surreale bis hin zum
Dokumentarischen erstrecken.
Erik Schmidt, “Hunting Grounds” 2006 / 14’15’’ (carlier
gebauer)
Deimantas Narkevicius, “The Dud Effect” 2008 / 15'40’’ (Jan Mot,
Galerie Barbara Weiss, gb agency)
Kathrin Sonntag, “Dracula’s Ghost” 2009 / 21’22’’ (Galerie
Kamm)
Manuel Graf, “Buchtipp” 2008 / 7’20’’ (Johann König)
Pierre Bismuth, “Following the Right Hand of Sigmund Freud” 2009 /
1’30’’ (Christine König Galerie)
Franka Hörnschemeyer, “Franks International” 2008 / 12’39’’
(Galerie Nordenhake)
Die diesjährige Art Unlimited
Ausstellung ist bereits die zehnte Ausgabe dieses Sektors und präsentiert 59
Künstlerinnen und Künstler aus 24 Ländern. Die Liste der Künstler, die an
dieser hochkarätigen, von der UBS grosszügig unterstützten Ausstellung
zeitgenössischer Kunst teilnehmen, liest sich wie ein Querschnitt der gegenwärtigen
internationalen Kunstszene. Viele
der in Halle 1 gezeigten Arbeiten wurden eigens für die Art Unlimited
Plattform geschaffen. Neben dieser Schau in der Art Unlimited-Halle zeigen die
Art Statements (s. letzte Pressemitteilung) in diesem Jahr 27
Einzelausstellungen junger Künstler. Dort werden auch die Abteilungen Artists
Books, Artists Records, eine Videothek, die Art Lobby und ein Bookshop zu
finden sein.
Seit dem Start dieser Plattform im Jahr
2000 haben viele der weltweit führenden zeitgenössischen Künstlerinnen
und Künstler in Art Unlimited ausgestellt. Die Konzeption der diesjährigen
Schau – die auf Vorschlägen der Aussteller beruht und sich auf
demselben quantitativen und qualitativen Niveau befindet wie in den
Vorjahren – wurde erneut von dem erfahrenen Genfer Kurator Simon
Lamunière entwickelt.
Ergänzend zur gewaltigen Bandbreite der in den Hauptsektoren der
Ausstellung gezeigten Kunst
hält Art Unlimited noch weitere Entdeckungen bereit. In der 12,000
Quadratmeter grossen Ausstellungshalle bietet Art Unlimited Künstlern
und Galerien eine Plattform für Werke, die über
die Möglichkeiten einer herkömmlichen Kunstmessekoje hinausgehen. Es
werden Skulpturen, Videoprojektionen, Installationen, Wandbilder,
Fotoserien und Performancekunst präsentiert, die übliche Dimensionen
sprengen. Zudem begleitet die Ausstellung ein separater Katalog in
limitierter Auflage (Kaufpreis CHF 40), in dem erstmalig zu jedem
einzelnen Kunstwerk in Halle 1 und auf dem Messeplatz erläuternde Texte
zu finden sind.
In diesem Jahr treffen Werke legendärer Künstler wie Sigmar Polke,
Lawrence Weiner, Franz Erhard Walther, Mel Bochner, Bruce Conner, Daido
Moriyama, Nan Goldin, Hans-Peter Feldmann und Jesús Rafael Soto auf die
Arbeiten von Künstlern der jüngeren Generation wie Thea Djordjadze,
Ayse Erkmen, Bharti Kher, Mai-Thu Perret, Falke Pisano, Sterling Ruby,
Banks Violette und Andro Wekua.
Das Art Basel Committee hat folgende Künstler ausgewählt:
Giovanni Anselmo, Tucci Russo Studio per l’Arte
Contemporanea, Torre Pellice, Turin
Stephan Balkenhol, Mai 36 Galerie, Zürich; Galerie Löhrl,
Mönchengladbach;
Stephen Friedman Gallery, London; Galerie Thaddaeus Ropac, Paris /
Salzburg
Joseph Bartscherer, Galerie Nelson-Freeman, Paris
John Beech, Galerie Gisèle Linder, Basel; Peter Blum
Gallery, New York
Elisabetta Benassi, Magazzino D’Arte Moderna, Rom
Mel Bochner, Peter Freeman, New York; Nelson-Freeman
Gallery, Paris
Willem Boshoff, The Goodman Gallery, Johannesburg
Vincenzo Castella, Studio la Città, Verona
Chen Zhen, Galleria Continua, San Gimignano / Beijing /
Le Moulin
Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová,
Christine König Galerie, Wien
Clegg & Guttmann, Georg Kargl, Wien; Wilkinson,
London; Lia Rumma, Mailand
Bruce Conner, Michael Kohn Gallery, Los Angeles
Matthew Day Jackson, Peter Blum Gallery, New York
Gabriele Di Matteo, Galería Pepe Cobo, Madrid
Thea Djordjadze, Monika Sprüth Philomene Magers,
Berlin / London / Köln
Nathalie Djurberg, Giò Marconi Gallery, Mailand
Tatjana Doll, Cristina Guerra Contemporary Art,
Lissabon; Galerie Gebr. Lehmann, Dresden / Berlin
Ayşe Erkmen, Galerist, Istanbul; Galerie Barbara
Weiss, Berlin
Hans-Peter Feldmann, Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf
/ Berlin
Nan Goldin, Matthew Marks Gallery, New York
Paul Graham, Anthony Reynolds Gallery, London
Fabrice Gygi, Galerie Chantal Crousel, Paris
Håvard Homstvedt, Galleri Riis, Oslo
Roni Horn, Hauser & Wirth Zürich, Zürich / London
Bharti Kher, Hauser & Wirth Zürich, Zürich /
London
Moshekwa Langa, Bernier/Eliades Gallery, Athens; The
Goodman Gallery, Johannesburg
Li Dafang, Galerie Urs Meile, Beijing / Luzern
Joseph Marioni, Galerie Mark Müller, Zürich
Anthony McCall, Sean Kelly Gallery, New York; Galerie
Thomas Zander, Köln
:mentalKLINIK, Galerist, Istanbul
Aernout Mik, carlier gebauer, Berlin
Daidō Moriyama, Taka Ishii Gallery, Tokyo; Galleri
Riis, Oslo
Farhad Moshiri, Galerie Rodolphe Janssen, Brüssel
Natsuyuki Nakanishi, SCAI The Bathhouse, Tokyo
Yoshitomo Nara, Marianne Boesky Gallery, New York; Blum
& Poe, Los Angeles;
Tomio Koyama, Tokyo
Hans Op de Beeck, Galleria Continua, San Gimignano /
Beijing / Le Moulin
Sarah Oppenheimer, Annely Juda Fine Art, London;
Galerie von Bartha, Basel
Manfred Pernice, Galerie Neu, Berlin; Anton Kern
Gallery, New York; Mai 36 Galerie, Zürich
Mai-Thu Perret, Timothy Taylor Gallery, London
Goran Petercol, Galerija Gregor Podnar, Berlin /
Ljubljana
Falke Pisano, Balice Hertling, Paris
Sigmar Polke, Michael Werner Gallery, New York
Sterling Ruby, Galleria Emi Fontana, Mailand
Steven Shearer, Galerie Eva Presenhuber, Zürich
Sudarshan Shetty, Galerie Krinzinger, Wien
David Shrigley, Galleri Nicolai Wallner, Kopenhagen;
Stephen Friedman Gallery, London
Nedko Solakov, Galleria Massimo Minini, Brescia
Jesús Rafael Soto, Galerie Hans Mayer, Düsseldorf
Fiona Tan, Frith Street Gallery, London
Pascale Marthine Tayou, Galleria Continua, San
Gimignano / Beijing / Le Moulin
Santeri Tuori, Galerie Anhava, Helsinki
Marcel van Eeden, Galerie Bob van Orsouw, Zürich
Banks Violette, Team, New York; Gladstone Gallery, New
York
Franz Erhard Walther, Galeria Vera Munro, Hamburg
Lawrence Weiner, Lisson Gallery, London
Andro Wekua, Gladstone Gallery, New York; Galerie Peter
Kilchmann, Zürich
Sislej Xhafa, Magazzino d’Arte Moderna, Rom
Xu Zhen, Long March Space, Beijing
Beat Zoderer, Galerie Mark Müller, Zürich; Galerie
von Bartha, Basel
Die im folgenden beschriebenen Werke stellen eine Auswahl aus den bei
Art Unlimited gezeigten Projekten dar:
In seiner mehr als vierzig Jahre umspannenden Karriere hat Sigmar
Polke (Michael Werner Gallery, New York) mit seinem radikal schöpferischen
Ansatz zu Material und Prozess Wesen und Bedeutung der Malerei immer
wieder neu bestimmt. Der ganze Werdegang des Künstlers ist
gekennzeichnet von der Erforschung seines Interesses an angedeuteten
Verbindungen zu “höheren Wesen” und anderen Welten – durch die
Verwendung ungewöhnlicher Materialien wie Meteorstaub, magnetisch
geladenem Graphit, reinem Veilchenblau, Zinnober und Silberoxiden (um
nur eine kleine Auswahl zu nennen).
In den frühen 1990er Jahren begann er eine monumentale Gemäldeserie,
die “Wolkenbilder” (1992). Die in Art Unlimited gezeigten
“Wolkenbilder” sind Polkes einzige Installation dieser Art; sie
strahlen das Geheimnis und Magie dieses überaus lebendigen Künstlers
auf dem Höhepunkt seines Könnens aus.
“The Ballad of Sexual Dependency” (1973–1986) ist der zentrale
Werkkomplex im Schaffen von Nan Goldin (Matthew Marks
Gallery, New York). Nachdem sie 1979 als improvisierte Abendperformance
in einem New Yorker Nachtclub begonnen hatte, erhielt “The Ballad of
Sexual Dependency” ihre gegenwärtige Form in den frühen 1980er
Jahren und hat sich über die Jahre als Diapositiv-präsentation mit
mehr als 700 Bildern weiter entwickelt. Bis zur Art 40 Basel war das
ursprüngliche Portfolio mit Abzügen aus der Publikation, die dieses
Meisterwerk geformt hat, in Europa bislang noch nie öffentlich
ausgestellt.
“a. k. a.“ (2008/09), die jüngste Fotoinstallation von Roni
Horn (Hauser & Wirth Zürich, Zürich / London) setzt die
Linie der Porträtarbeiten fort, die Horn im Laufe der Jahre im weiteren
Kontext ihres Oeuvres geschaffen hat. Bei jedem dieser Werke ist der
Betrachter als zweites Thema mitgedacht. Paarbildung und Verdopplung
sind schon seit vielen Jahren Leitmotive in Horns Werk, “a. k. a.“
stellt die neueste Erscheinungsform dieses Interesses dar.
Vier durchsichtige Kuben in schwarz, weiss, gelb und blau finden sich
als ein Gedankenspiel
vor unseren Augen arrangiert, das auch Mondrian hätte spielen mögen, hätte
er Zugang zu deren transparenten Materialien gehabt. Der venezolanische
Künstler Jesús Rafael Soto (Galerie Hans Mayer, Düsseldorf)
war für seine Beiträge zur Op Art und seine kinetischen Skulpturen wie
auch für seine Beziehungen zu Jean Tinguely und Victor Vasarely sehr
bekannt. Besonders berühmt wurde
er mit seinen “penetrables”, interaktiven Skulpturen, die aus
quadratischen Anordnungen dünner, herabhängender Röhren bestehen. Die
Arbeit “Untitled” (1970), die er im Rahmen von Art Unlimited zeigt,
war zuletzt im Jahr 1970 im Mannheimer Kunstverein zu sehen.
In “Universum” (2008), einem wichtigen neuen Werkkomplex, zeigt Stephan
Balkenhol (Mai 36 Galerie, Zürich; Galerie Löhrl, Mönchengladbach;
Stephen Friedman Gallery, London; Galerie Thaddaeus Ropac, Paris /
Salzburg) fünf grossflächige architektonische und skulpturale Reliefs.
Indem er zwei- und dreidimensionale Ebenen zusammen bringt, kombiniert
der Künstler die Schnitzarbeiten und Reliefs seines
“Alltagsmenschen” mit Landschaften, Stadtszenen, Natur
und detaillierten Mustern.
Der südafrikanische Künstler Willem Boshoff (The
Goodman Gallery, Johannesburg) hat den grössten Teil seines Lebens als
Druide verbracht. Für die Dauer dieser Ausstellung wird Boshoff
in einer eigens angefertigten Zelle leben, in der die Betrachter den
“Big Druid” (2009) bei seinen jenseitigen Kämpfen mit Schatten, ästhetischen
Konstrukten und Worten beobachten können. Der Zellenraum hat eine Rückzugszone,
die mit Präsentationsregalen und einem Arbeitsplatz ausgestattet ist,
an dem der “Big Druid” Kunstwerke und die dahinter verborgenen
Denkprozesse herstellt und vorführt.
Für ihre Skulpturen verwendet Thea Djordjadze (Monika
Sprüth Philomene Magers, Berlin / London / Köln) oft vergängliche,
zerbrechliche Alltagsmaterialien, die sich aus dem Vokabular des häuslichen
Zusammenhangs ableiten und auf Weiblichkeit verweisen: Gips, Keramik,
Silikon, Schwämme, Karton, Textilien und Seife. Die Zeichnungen der Künstlerin
werden häufig zu Bestandteilen ihrer Installationen. Sie verdoppeln und
intensivieren deren Ausdruckswirkung und betonen zudem den bruchstückhaften,
unvollendeten Zustand des Werks.
Die schwedische Künstlerin Nathalie Djurberg (Gió
Marconi Gallery, Milano) hat im Jahr 2008 mit Arbeiten in einem grösseren
Massstab begonnen, wodurch Installationen und grössere skulpturale
Werke in ihre filmische Arbeit eingingen. Die Installation “The
Rhinoceros and the Whale” (2008) besteht aus einer Holzstruktur, auf
die der Animationsfilm “Putting Down the Prey” (2008) projiziert
wird. Auf der Rückseite der Projektionsfläche sieht man den
Animationsfilm “The Rhinoceros and the Whale”. Beide Filme weisen
Verbindungen untereinander auf, wobei in dem einen ein Mädchen ein
Walross jagt, es aufschneidet und sich selbst in dessen Körper einnäht,
im anderen sieht man eine monströse Frau, die ein Rhinozeros gebiert.
Tatjana Doll (Cristina Guerra Contemporary Art, Lisboa;
Galerie Gebr. Lehmann, Dresden / Berlin) zeigt “Container Ship”
(2009), ein fast zehn Meter langes Gemälde, das die Rückseite eines
Containerfrachtschiffs zeigt. Darüber sind 24 weitere Bilder in vier
Sechserreihen zu sehen, von denen jedes die Masse 190 x 160 cm hat,
wobei jedes der nahezu monochromen Bilder für einen Container steht.
Hans-Peter Feldmann (Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf
/ Berlin) stellt die Serie “100 Jahre” (1996–2000) aus, die aus
101 Schwarzweissfotografien besteht, die 101 verschiedene Personen im
Alter zwischen acht Wochen und 100 Jahren darstellen. Beginnt man links
aussen und geht im Uhrzeigersinn vor, zeigt das erste Bild das Baby “Felina”,
es folgt “Jana (1 Jahr)”, “Richard (2 Jahre)”, und so fort. Die
Reihe endet mit “Maria Victoria (100 Jahre)” rechts vom Eingang,
wodurch der Eindruck vermittelt wird, man habe einen vollständigen
Lebenszyklus abgeschritten.
“The Waq Tree” (2009) von Bharti Kher (Hauser &
Wirth Zürich, Zürich / London) bezieht sich auf
den Waq-waq Baum aus der islamischen Tradition, den Sprechenden Baum,
einen Baum, der Halluzinationen oder Erscheinungen hervorruft. Sein
Stamm erinnert an die Trockenheit von Knochen, seine Früchte dagegen an
lebendige Haut, die mit der Zeit langsam zu Wachs geworden ist. Die
Zweige tragen insgesamt mehr als 2500 Früchte, und jede davon ist ein
Kopf – der eines Menschen, eines Gnoms, eines Engels, eines Tiers oder
einer Schimre.
Anthony McCall (Sean Kelly Gallery, New York; Galerie
Thomas Zander, Köln) ist bekannt
für seine “Solid Light”-Installationen, eine Werkgruppe, die er im
Jahr 1973 mit seiner bahnbrechenden Arbeit “Line Describing a Cone”
begann, bei der sich aus dem Lichtstrahl
eines Fimprojektors langsam eine Kegelform im dreidimensionalen Raum
bildet. Irgendwo im Zwischenbereich von Skulptur, Film und Zeichnung ist
“Leaving (with Two-Minute Silence)” (2009)
die jüngste Arbeit einer neuen, 2003 begonnenen Serie, deren zentrales
Strukturelement ein “Soundschleier” ist.
Die Videoinstallationen von Aernout Mik (carlier
gebauer, Berlin) erinnern an Versuchsläufe, die Ereignisse an den
Grenzen gesellschaftlicher Realität mit aufwändig dargestellten
Situationen rekonstruieren, alltägliche Konfrontationen, wie sie etwa
die Reisenden bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen in der Arbeit
“touch, rise and fall” (2008) erleben. Miks Inszenierung präsentiert
ein durch und durch hierarchisch geformtes und gebildetes Szenario. Es
wird keine eindeutige Erzählung vorgegeben; statt dessen denkt sein
Werk die Extreme der Ordnung in einem solchen Masse weiter, dass die
Kamera schliesslich durch die Absurdität einer sich auflösenden
Wirklichkeit gleitet, die mit nahezu ritueller Anmutung und irrationaler
Übertriebenheit von Wiederholungen, Verformungen und mimetischen
Handlungsabläufen gekennzeichnet ist.
“Torre de Málaga” (2007) von Yoshitomo Nara
(Marianne Boesky Gallery, New York; Blum & Poe,
Los Angeles; Tomio Koyama, Tokyo) wurde für die Ausstellung des Künstlers
im Centro de Arte Contemporáneo im spanischen Málaga im September 2007
entwickelt. Die in Zusammenarbeit mit Naras Mitarbeitergruppe YNG
geschaffene Installation besteht aus einer aus recycelten Materialien
geformten und vom Museumsbau inspirierten Holzstruktur. Die Basis der
Konstruktion liefert ein dem Atelier des Künstlers nachgebildeter Raum,
in dem Gemälde, Skulpturen und dutzende Zeichnungen zu sehen sind.
Hans Op de Beeck (Galleria Continua, San Gimignano /
Beijing / Le Moulin) hat “Location (6)” (2008), eine skulpturale
Installation im monumentalen Massstab geschaffen, die sich auf die
historischen Panoramabauten bezieht, welche im Laufe der vergangenen
zwei Jahrhunderte vor allem in Europa entstanden. “Location (6)”
besteht aus einem skulptural gestalteten, mit Nebel und weissem Licht
erfüllten Gehölz, das an eine ausgedehnte Schneelandschaft mit dürren
Bäumen denken lässt, die man von einem zentralen, über einen langen,
engen Korridor zugänglichen Beobachtungspunkt aus betrachten kann.
Marcel van Eeden (Galerie Bob van Orsouw, Zürich)
wurde im Jahr 1965 in den Niederlanden geboren, und dieses Datum ist von
entscheidender Bedeutung für sein Werk. Seine kleinformatigen, in
Bleistift auf Papier ausgeführten Zeichnungen gehen auf solchen
Zeitschriften, Büchern und Archiven entnommene Motive zurück, die
allesamt vor dem Geburtsjahr des Künstlers entstanden sind. Eine neue
Serie mit etwa achtzig gerahmten Zeichnungen, die bei der diesjährigen
Art Unlimited zu sehen sein wird, präsentiert die imaginäre Sammlung
des Matheus Boryna, der als Kunstliebhaber berühmt wurde, für den
Kunstwelt-Aussenseiter eine grössere Faszination darstellen als bereits
etablierte Künstler. Jedes der fiktiven Kunstwerke wurde mit dem “M.B.”-Inventurstempel
der grossen Sammlung Matheus Boryna versehen, wie das einst die gängige
Praxis für die wertvollen Bestände grafischer Sammlungen war.
“By the Window” (2008) von Andro Wekua (Gladstone
Gallery, New York; Galerie Peter Kilchmann, Zürich) kombiniert die
Mittel von Skulptur und Film für die Konstruktion eines physischen wie
psychologischen Schwellenraumes. Die Gesamtinstallation, bei der
unterschiedliche Medien zum Einsatz kommen, collagiert gefundene und
bloss vorgestellte, emotional aufgeladene Bilder und formt so eine von
Wekua selbst geschaffene Welt, eine Welt, in der der Betrachter immer an
der Schwelle des Verstehens verharren muss.
Die provozierende Arbeit mit dem Titel “The Starving of Sudan”
(2008) by Xu Zhen (Long March Space, Beijing) ist eine
Neuinszenierung der tragischen Situation, die das Foto von Kevin Carter
zeigt, mit dem er 1994 einen Pulitzer-Preis gewann; kurz nach der
Verleihung des Preises beging er Selbstmord. Für Xu Zhen wird das
komplexe Deutungssystem, das in umstrittener Weise um Kontext und
Rezeption von Carters Foto entstand, problematisch, insbesondere, wenn
man es in Beziehung zu dem Leiden des im Bild gezeigten, unbekannt zurückgelassenen
Babys setzt. Xu Zhens Arbeit stellt in diesem Sinne eine Befragung des
Machtverhältnisses zwischen Betrachter und Werk, zwischen Konzeptualität
und Ethik, zwischen Passivität und Subjektivität dar.