WEG ZUR HOFFNUNG OP. 144 (1997) *

Allmächtiger, schenk uns Einsicht, Kraft und Liebe,
Gutes zu tun, ohne stolz darauf zu sein,
dem Recht zur Gerechtigkeit zu verhelfen, 
der Schönheit ein Denkmal zu setzen,
die richtigen Fragen zu stellen,
das Wissen zur Weisheit zu führen,
die Errungenschaften der Technik zu würdigen,
ohne ihrem Besitz zum Opfer zu fallen,
das Glück in der Bewährung durch den Verzicht zu finden,
das scheinbar Sinnlose – Schmerzen, Leiden, Alter, Tod -
als Herausforderung zur Reifung anzunehmen,
dem Fernsten noch mehr als dem Nächsten zu geben,
ohne Gegenleistung zu erwarten,
die Vielfalt der Meinungen auszuhalten und anzuerkennen,
zu verstehen, statt zu urteilen und zu verurteilen,
Brücken zu bauen, anstatt nieder zu reissen,
ohne uns darauf etwas einzubilden.
Es ist unendlich schwer, uns derart zu verhalten:
ein Ideal – das Ideal der Heiligkeit. Wir können nur
danach streben und erwecken den Schein der Erfüllung,
erringen das Lob der Umwelt und sonnen uns im teuflischen Glanz.
Kein Mensch besitzt Vollkommenheit -
im Abstand zur Heiligkeit werden wir uns der Fehler bewusst
und können dankbar sein für das Bestehende
und heiter werden im Gedanken, wie vieles uns erspart
geblieben ist und sich im Nachhinein als heilsam hat erwiesen,
ohne und vielleicht gegen unser erstes Tun und Streben.
Bei all unseren guten Werken hätten wir noch mehr tun können,
mehr tun sollen, Nur einer, eine, eines, das Göttliche hat alles getan.

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Musik GION ANTONI DERUNGS op.144 1997 
Uraufführung 19.05.1999 Tonhalle St.Gallen.

Musik KURT ROTHENBERGER op. 48
Uraufführung 25.11. 2005 reformierte Kirche Buchs St.Gallen.

Nachtrag
Man(n) kann nicht an das Allmächtige glauben,
Frau kann nicht an das Allmächtige glauben,
ohne es zu erfahren, zu erahnen.
Wer sich dem Allmächtigen öffnet,
es geschehen lässt,
ihm nicht zuvorkommen will,
dem öffnet sich das Allmächtige,
vielleicht sogar im Augenblick der Verblendung das Gegenteil erwartet
und das Gute, Bessere erst später erfährt,
der empfindet die Handschrift des Allmächtigen,
vielleicht als blosser Zufall, als Zugefallenes, als Schicksalhaftes,
vielleicht aber auch als etwas Höheres,
jedenfalls als Geschenk, woher auch immer…

Es zu benennen, so oder anders, ist vermessen.
Demut, Mut zum Dienst, Bescheidenheit
nötigen uns zur blossen Fragestellung
und Dankbarkeit für das Geschehene.

Man(n) kann und darf nicht an das Allmächtige glauben
Frau kann und darf nicht an das Allmächtige glauben,
ohne es zu erahnen, zu erfahren.

Victor J. Willi, Rom Disentis

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