Das Erfolg-Rezept der VOLG-Lädelis

Es mag sein, dass das eine oder andere im COOP billiger zu haben ist, doch welcher Unterschied der Bedienung! Da herrscht eine familiäre Atmosphäre. Sozusagen alle Käufer und besonders die Käuferinnen kennen sich untereinander und lassen es auch einmal zu einem “Schwatz“ kommen. Das kann sogar dann und wann mit dem nicht gerade überbeschäftigten Personal geschehen.

Im Gegensatz zu den weit grösseren COOP-Geschäften stehen nicht nur die Ware, sondern auch der Mitmensch und die Verkäuferinnen im Vordergrund – besonders wenn sie hübsch sind, was im Bündner Oberland, aber auch anderswo in Rätoromanien an der Tagesordnung ist. Graziella Manetsch macht die Probe aufs Exempel – wie viele andere Angestellte.

In den riesigen Einkaufszentren herrscht manchmal Totenstille. Alle wollen nur zu ihren Sachen kommen, die Käuferschaft zu dem in die Augen Springenden, besonders Günstigen (das sie vielleicht gar nicht brauchen), das Personal, um die auftretenden Lücken des Angebotes zu füllen. In ihrem Kopf ist der Nächste der Fernste, mehr Hindernis als Hilfe, wenn es gilt, die Einkaufswägelchen umherzuschieben und möglichst schnell zu füllen, was in weit grösserer Auswahl zu haben ist, doch auf Kosten der Mitmenschlichkeit.

Hier pflegt die Obrigkeit ein Auge zuzudrücken.

Seit Jahren bin ich Kunde des VOLG-Ladens in Disentis. Sein besonderer Vorteil ist nicht nur der meist freie Parkplatz just vor dem Eingang. Ist der Wagen einmal nicht ganz korrekt parkiert – ohne allerdings den Durchgangsverkehr zu behindern – werde ich nicht gleich von einem hinterlistigen Polizisten ohne Möglichkeit der Widerrede zur Rechenschaft gezogen. Ordnungshüter sind im Klosterdorf zuerst Menschen und dann erst Polizisten.

Nun liege ich im Bett. Mit fast 84 Jahren hat es mein Fussgelenk erwischt. Als treuer Kunde durfte ich die Filialleiterin – die dienstbeflissene Antonia Lutz – bitten, mir die notwendigen Siebensachen aus ihrem kleinen, aber feinen Laden auf vier Rädern nach Hause zu bringen. Gelegentlich so schnell, dass ich mich fragen muss, ob sie die dort innerorts vorgeschriebene 30/50 Kilometerlimite von A bis Z eingehalten hat.

Unter solchen Vorzeichen fällt dem alten Mann das Kranksein während fünf Wochen nach der Operation im ebenso kleinen, aber feinen Spital von Ilanz erheblich leichter. Dank der fürsorglichen und vorsorglichen Unterstützung der Filialleiterin und ihres Personals kann ich als Witwer ohne erreichbare Freundin das Ende meiner jetzigen Leidenszeit getrost abwarten.

Victor J. Willi, Rom Disentis

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