Staatstrauer und
Partnerschaft all’italiana
Einmal mehr wurden die in Afghanistan getöteten italienischen Soldaten im
Sonderflug der Armee nach Rom geflogen und auf dem Leonardo da Vinci geweihten
Airport von den höchsten Vertretern des Landes, dem Staatspräsidenten, dem
Senatspräsidenten, dem Chef der Carabinieri und einem hohen, doch nicht allzu
hohen Würdenträger der katholischen Kirche mit dem Trauermarsch der Streitkräfte
feierlich empfangen. Fehlte Benedikt XVI., so nicht nur, weil noch nie ein Papst
bei einer solchen häufig gewordenen Gelegenheit zugegen war. Sein Vorgänger-
Johannes Paul II. lehnte 2003 die sogenannte Irak- und Afghanistan-Mission des
damaligen amerikanischen Präsidenten ausdrücklich ab. Nichts nützte es George W.
Bush, sich höchstpersönlich nach Rom zu begeben, um den Segen des Vatikans für
seinen Cowboy-Racheakt wegen der zerstörten Twin Towers vom denkwürdigen 11.
September 2001 zu empfangen.
Wer nicht aus der Geschichte lehrt wird von der Geschichte bestraft!
Wenn im Gegensatz dazu nicht nur Silvio Berlusconi, sondern auch Romano Prodi an
der Spitze der linksdemokratischen Regierung zuvor die Unterstützung der
italienischen Truppen für den Nahosteinsatz zugesagt haben, geschah es in der
gleichen, völlig verfehlten Annahme der Engländer bereits im 19. Jahrhundert,
der Sowjets in den letzten 70er Jahren und in diesem Jahrhundert der Amerikaner
mit einigen ihrer Nato-Bündnispartner, dieses Land voller heimtückischer
Verstecke mit einer nicht minder heimtückischen und siegesgewissen Bevölkerung
könnte von einer fremden Macht besiegt oder auch nur wirklich gefügig gemacht
werden. Kommt es zum Sturz Silvio Berlusconis, so nicht zuletzt wegen seines
Engagements an Seiten seines erklärten Freundes im Weissen Haus. Vordergründig
spielt das Zerwürfnis mit dem Kammerpräsidenten Gianfranco Fini eine derart
grosse Rolle, dass die beiden Streithähne sich nicht noch zum Empfang der drei
getöteten italienischen Soldaten nach Fiumicino begeben konnten.
Der seit Monaten bestehende Konflikt der Regierungspartner wurde allemal von der
grauen Eminenz im Hintergrund, Gianni Letta, irgendwie auf die lange Bank
geschoben. Dass es dem langjährigen Chefredaktor der rechtsstehenden Zeitung
IL TEMPO abermals gelingen wird, Berlusconi und Fini aus Angst vor der
erstarkenden Linksopposition doch noch zu versöhnen, lässt sich keineswegs
absehen. Was die Italiener sehr viel mehr interessiert, ist das unnütze Sterben
dreier Landsleute in fremden Landen. Haben die antiken Römer ein Volk
angegriffen, so geschah es stets mit der guten Aussicht auf einen durch
zivilisatorische und taktische Überlegenheit gesicherten Sieg.
Mussolini verlor den Zweiten
Weltkrieg nicht nur für sich, sondern auch für seinen Achsenpartner Hitler
Nicht von ungefähr hat der Duce Frankreich erst kurz vor dessen Totalniederlage
den Krieg erklärt und dabei wenigstens Nizza (Nice) dem neuen Römischen Imperium
einverleibt. Hätten 14 Monate später nicht kampferprobte SS-Truppen in
Griechenland schnell „aufgeräumt“, was die Faschisten versäumt hatten, so wäre
dem Duce drei Wochen später der feierliche Einzug in Athen versagt geblieben.
Diese „Ablenkung“ hat den deutschen Angriff gegen die Sowjetunion um fast einen
Monat verzögert und rettete Moskau mit dem Durchhaltewillen Stalins um jeden
Preis von dem Untergang. Einmal mehr ist „General Winter“ den Russen zu Hilfe
gekommen. Die lakonische Bemerkung des britischen Historikers D. Mac Smith:
Mussolini ist es mit seinem verfehlten Griechenland gelungen, den Zweiten
Weltkrieg nicht nur für sich und seinen Faschismus, sondern gleich noch für
Hitler und dessen Nationalsozialismus zu verlieren!
Kein Lehre aus einem nicht zu gewinnenden Krieg gezogen
135 Jahre zuvor hat die bittere Kälte den französischen Kaiser Napoleon zum
Rückzug gezwungen. Als der 2. Weltkrieg mit der Rückeroberung Stalingrads für
die deutschen und italienischen Achsenpartner verloren war, haben die Nachfahren
der alten Germanen keine Lehre daraus gezogen. Für die Italiener war der Krieg
an Seiten der Achsenpartner sinnlos geworden. Deshalb kündigte Vittorio Emanuele
III. hinterrücks das verfehlte Bündnis. Seine Landsleute waren höchst erstaunt,
dass die Partner nördlich der Alpen meinten, „jetzt erst recht“ dieses
schreckliche Völkerringen mit zusätzlichen Millionen von Toten und Verletzten
doch noch gewinnen zu können
Victor J. Willi, Rom Disentis
Hier
geht es zum:
Inhaltsverzeichnis
aller verfügbaren
Beiträge