Was mir an der Anti-Minarett-Propaganda gar nicht gefällt
Im Klartext: Sind wir noch Herr im eigenen Haus oder Angsthasen im Blick auf allfällige unangenehme Konsequenzen?
An all den Aufrufen gegen die
Anti-Minarett-Initiatoren stört mich die offen bekundete und geschürte Angst für
den Fall einer Annahme. Für die Schweizer
Diplomatie wäre sie „ein harter Schlag“. T. Aboalenin, Schweizer
Korrespondent des arabischen Fernsehens lässt verlauten: „Dass ausgerechnet
das Land, das sich für Minderheitenschutz einsetzt, selbst eine religiöse
Minderheit diskriminiert, wäre nicht nachvollziehbar.“ Ins gleiche Horn bläst
der emeritierte Professor für Sicherheitsforschung an der ETH, Kurt Spillmann:
„Die Schweiz würde ihre Glaubwürdigkeit als Mediator und unparteiischer
Vermittler verlieren.“ Das internationale Komitee vom Roten Kreuz bangt um die
rund 10 000 Schweizer, die in mehrheitlich muselmanischen Ländern leben. Für
den libyschen Diktator wäre die Annahme ein gefundenes Fressen und der Beweis,
dass die Schweiz etwas gegen die Muslime hat. Das Eidgenössische Departement für
Äusseres muss beschwichtigen, „dass die Schweiz über ein allgemein gültiges
Sicherheitsdispositiv verfüge, das für den Fall der Fälle zum Einsatz kommen
wird.“
Dass die Fundamentalisten die Initiative schon jetzt instrumentalisieren und
ihren positiven Ausgang sabotieren werden, schimmert in sozusagen allen
Berichten durch. Sie verschweigen tunlichst den im Koran verankerten Anspruch
auf die Weltherrschaft und die geringe Integrations- und Assimilierungskraft der
Schweiz für wenigsten die erste und zweite Generation der Neueinwanderer aus
arabischen Ländern und der Türkei. Sollten wir aus Angst vor einer Annahme ein
Nein in die Urne legen oder sind wir überzeugte Bekenner einer so oder so und
mit wem auch immer multikulturellen Schweiz... im vollen Bewusstsein, wie wenig
das Religiöse in der modernen Gesellschaft zählt und welch grosse Rolle es für
die meisten Muslime innerhalb und ausserhalb unserer Grenzen spielt? Im
Klartext: Sind wir noch Herr im eigenen Haus oder Angsthasen im Blick auf mögliche
unangenehme Konsequenzen? Andersherum formuliert: Die sogenannten Christen
hatten noch vor 100 Jahren die Welt beherrscht, doch Jesus Christus wünschte
sich ein völlig andersartiges Himmelreich auf Erden.
Victor
J. Willi, Rom Disentis
(wohlverstanden ein Freund der Türkei mit vielen türkischen Freunden)
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