Leserbrief zum Aufsatz
“Usama bin Laden und die Logik der Angst“
In: NZZ 7. Mai 2011, S. 57
Bin Ladens Exekution – Sieg der USA,
vielleicht nicht ihres Präsidenten
Nach Barack Obamas Wahl vor 2 ½
Jahren freute ich mich jeden Abend, dass der amerikanische Präsident nicht
untertags einem Attentäter zum Opfer gefallen ist. So viele seiner Vorgänger
wurden – wie zuletzt John F. Kennedy 1963 – während ihrer Amtszeit ermordet. Und
Ronald Reagan hat 18 Jahre später beinahe das gleiche Schicksal erlitten.
Besteht da für den halbschwarzen US-Präsidenten nicht eine zusätzliche Gefahr?
Amerika sei mit dem Tod Bin Ladens sicherer geworden, erklärte Barack Obama und
bezeichnete diese Eliminierung als Sieg Amerikas. Sie werde auch seine
Wiederwahl für eine zweite Amtszeit begünstigen, vermuteten nicht wenige
politische Kommentatoren weltweit. Für andere hat sich Obama mit der
eigenmächtigen Hinrichtung statt Gefangennahme mit anschliessendem
Gerichtsverfahren gegen den grössten Feind der USA das eigene Grab geschaufelt.
Amerika mag mit Bin Ladens Verschwinden sicherer geworden sein. Hoffen wir es
auch für seinen Präsidenten. Ich hoffe, dass mein Pessioptimismus, der stets das
Schlimmste befürchtet, das sich kaum je erfüllt, mich im Blick auch auf mein
Amerika nach den Spätnachrichten immer weiter glücklich schlafen lässt. In den
50er Jahren verbrachte ich zwei gute Jahre in Texas, Boston, auf den Orcas
Islands und in New York.
Victor J. Willi, Rom Disentis
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