Das Wort Monolith (griech. mono : einzel~ und lithos - Stein) bedeutet soviel wie "Einstein". Man bezeichnet damit größere Natursteine oder sonstige Objekte, die aus einem Stück bestehen. In bestimmten Religionen wird monolithischen Steinen oft eine religiöse oder kultische Bedeutung beigemessen. Beispielsweise können Obelisken Monolithe sein. 

(Auszug der NZZ Online)
Die rostige Ikone Murtens  
Der Monolith und die Panoramen
Herstellung und Ausführung: (JAKEM AG Münchwilen) + (Tuchschmid AG Frauenfeld)

Geheimnisvoll lagert der «Monolith» vor dem Mont Vully inmitten des Murtensees. Der rostig verfärbte Würfel wurde in kürzester Zeit zur stärksten Ikone der Landesausstellung .

aes. Vieles an der Expo war und ist widersprüchlich. Eines jedoch ist völlig klar: Erinnern wird man sich vor allem an ihre Ikonen: Die Wolke in Yverdon-les-Bains, die «Galets» in Neuenburg, den Klangturm in Biel und den «Monolithen» in Murten. Sie sind die Symbole ihrer Arteplage - das, was auch in 25 Jahren noch im Gedächtnis des Publikums verankert sein soll.

Am besten erfüllt diese Aufgabe der «Monolith». Jean Nouvels rostiger Würfel hat sich schon vor der Eröffnung als Bildzeichen in die Köpfe der Schweizer gebrannt. So stark ist seine Wirkung, das viele auch nach der Expo nicht auf den schwimmenden Kubus verzichten wollen. Derzeit werden Unterschriften gesammelt für seine Erhaltung nach dem Ende der Landesausstellung. Wie der Eiffelturm in Paris und das Atomium in Brüssel könnte der «Monolith» nicht nur für die Ausstellung selbst stehen, sondern darüber hinaus auch für die Veranstaltungsorte, ja die ganze Epoche. Allerdings: das Patronatskomitee «Erhaltung Monolith» wird bis zu 27 Millionen Franken aufbringen müssen, will es den Kubus für weitere fünf Jahre bewahren. Dieser Konservierungswille ist ganz gegen die ursprüngliche Absicht der Expo-Ausstellungsmacher um den französischen Architekten Jean Nouvel. Auf dauerhafte materielle Manifestationen wollte man verzichten, Murten sollte Experimentierfeld für temporäre Installationen sein. 

Schon die schieren Fakten verleihen dem «Monolithen» seine imposante Grösse. Die Plattform besteht aus 100 Betonhohlkörpern, die im Broye-Kanal zu einem 2800 Tonnen schweren Fundament zusammengebaut und mit zwei Schubschiffen zum Murtensee transportiert wurden. Im Seegrund befestigte Stahlkabel sorgen dafür, dass der Koloss nicht davonschwimmt. Der Überbau besteht aus Stahl, die Fassade aus rostigen Stahlplatten. Fast 4000 Tonnen Gewicht auf 34 Meter im Quadrat verteilt: ein riesiger Würfel aus rostendem Stahl mit den Dimensionen eines zwölfgeschossigen Hochhauses. Unübersehbar liegt er im See, gigantisch und geheimnisvoll. Nicht umsonst erinnert die Bootsfahrt zum «Monolithen» an Arnold Böcklins Toteninsel - das Gemälde des symbolistischen Künstlers war eine von Nouvels Inspirationsquellen. Und wie im Bild nähert sich der Besucher auch in der Realität einer anderen Welt. 

Bilder der Schweiz

Denn die Welt im «Monolithen» ist eine illusionistische. Auf drei Ebenen erwarten den Besucher drei Panoramen. Unten zeigen junge Videokünstler mit projizierten Bildern ihre Version der Schweiz von heute, im Mittelgeschoss gibt ein umlaufendes Bandfenster den Blick auf die Landschaft frei, oben stellt ein Rundbild aus dem 19. Jahrhundert die Schlacht von Murten dar. Jedes der Panoramen hat seinen eigenen Reiz. Im Erdgeschoss taucht der Besucher in einen fliessenden Bilderstrom ein: Wolken, Berggipfel und Wälder, nach und nach bevölkert von Tieren, zieen vorbei, schliesslich erscheint auf der digitalen Bühne der Mensch und mit ihm Automobile, Wohnblocks und Balkon-Idyllen. Das Panorama «Schweiz Version 2.1» zeigt in einem virtuosen visuellen Theater in Rundprojektion veraltete Mythen neben heutigen Realitäten, eine Anhäufung von Widersprüchen. Das Panorama entwickelt sich dabei in dem 20-minütigen clipartigen Bilderzyklus von der Alpenfaltung bis zum modernen Leben auf dem Lande oder in den Städten. Kurzum, es zeigt unsere «Schöpfung» in einer fulminanten Choreographie animierter Bilder. 

Mit welchen Mitteln man es lange vor der Erfindung von Breitleinwandkino, Multimedia und Virtual Reality verstand, das Publikum in eine andere Welt zu versetzen, zeigt das obere Panorama im «Monolithen»: Das 111 Meter lange und 10,5 Meter hohe Rundbild katapultiert den Besucher direkt in einen entscheidenden Moment der Schweizer Geschichte: die Eidgenossen 1476 auf dem Weg zum Sieg gegen die Übermacht der burgundischen Heere Karls des Kühnen. Der deutsche Panoramaspezialist Louis Braun malte die heroische Schlachtszene 1894 für die Zürcher Panoramagesellschaft. Nach Ausstellungen in Zürich und Genf blieb das Rundbild Jahrzehnte in einem Werkhof in Murten verwahrt. Eines der wenigen erhaltenen Grosspanoramen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Wurde für die stolze Summe von zwei Millionen Franken restauriert. Durch den überrealistischen Stil, die raffinierte Perspektive und den Hell-Dunkel-Effekt glaubt sich der Betrachter im Zentrum einer perfekten Illusion. 

Die Zwischenetage gewährt den Ausblick auf den Murtensee und das Städtchen. Ein grobgerastertes Lochfries verfremdet jedoch die Sicht auf die Landschaft, die dem historischen Panorama im Stockwerk darüber als Vorlage diente. Erst alle drei Panoramen zusammen ergeben das Ganze, ein Spiel mit Sichtweisen und Wahrnehmungen.

Einen «Ort des Kontrasts zwischen Moderne und Geschichte, zwischen Technologie und Archaismus» hatte Jean Nouvel schaffen wollen. Das ist dem Pariser Stararchitekten gelungen. Im Spannungsfeld zwischen Augenblick und Ewigkeit verkörpert der Monolith den Doppelsinn des Arteplage-Themas auf perfekte Weise.

(Auszug der NZZ Online)